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Birnen im Becken

Wenn landläufig von der Birne in Bezug auf den Menschen gesprochen wird, denken viele Leute an das, was auf dem Hals sitzt und zwischen zwei Ohren Platz hat. Im gastronomischen Umfeld tragen die Verwandten aus dem Obstkorb gelegentlich den Nachnamen Helene oder den hochprozentigen Vornamen Williams. Wobei letzterer wieder dazu beitragen kann, dass die eigene Birne noch größer wird oder sogar zum Glühen beginnt. Vielleicht auch schon was vom umgangsprachlichen ‚Schuss in der Birne‘ (hat nicht mit einer Kriegsverletzung zu tun!) oder von der hohlen Birne gehört? Wenn im Kopf vermeintlich wenig oder gar nichts – mehr – drinnen ist. Im YOGA, insbesondere in der Meditation ein idealer, selten erreichter Zustand: die Leere im Kopf … allerdings in der Annahme, dass dieses Phänomen das Resultat von Asana, Pranayama oder Meditation sei.

Birnen Adjustment: super schwierig!

Im ‚richtigen Leben’, wo der Verstand und das Ego mitmischen dürfen – ja sollen! – damit uns der Alltag gelingt, ist so eine leere Birne eher weniger nützlich. Da beginnt sich die Metapher der Yogamatte auszudehnen, hinein in die wirkliche Welt: Das Hirn, darf dem Geist und der Seele dienen und bitte nicht andersrum. Ein weiser Hinweis in dieser Angelegnheit kommt auch vom indischen Yoga Großmeister B.K.S. Iyengar: ‚The Brain is the hardest part of the body to adjust’.

Wenn die Birne auf die Nerven geht

Was weniger Leute wissen, ist, dass sich noch wo eine – eigentlich links und rechts, also zwei – kleine, meist unbekannte Birnen im Körper verstecken: ein birnenförmiger kleiner, häufig unterschätzer Muskel.
Ich stelle vor: PIRIFORMIS oder BIRNENFÖRMIGER MUSKEL der Name; der Sitz ganz tief im Becken, fast schon am Boden. Und lustigerweise entsteht aufgrund seines Verlaufs zwischen der Innenseite des Beckens am Kreuzbein über das Darmbein bis zum äußeren Ende des Oberschenkelkonochens bei der Kontraktion ein sogenannter ‚Flaschenzugeffekt’, weil sich dabei die Hebelkräfte multiplizieren.
Fies ist allerdings, dass hinter dem birnenförmigen Muskel der besser bekannte Ischiasnerv liegt. Ist der birnenförmige Muskel verhärtet, verspannt, verkürzt oder entzündet, dann – autsch! – kann das sogenannte Piriformis-Syndrom entstehen, eine schmerzhafte Reizung des Ischiasnerv, weil sich der Muskel nicht mehr ausreichend verlängern kann und deswegen dem Ischiasnerv einfach den Platz stiehlt.

Was der Piriformis sonst noch macht?

Auf seine bescheide Größe in Relation zu den starken benachbarten Muskelprotzen, eine ganze Menge:

  • er stabilisiert das Kreuz-Darmbein-Gelenk
  • in neutraler Hüftposition wirkt er mit bei der Außenrotation der Hüfte, der Beugung und Abduktion
  • ist die Hüfte unter 60 Grad gebeugt wird aus dem Piriformis ein interner Rotator und Streckmuskel und bleibt in seiner Abduktions-Aufgabe
  • … und wie wir YogiNis wissen, gibt’s auch für die Muskeln einen Entspannungszustand, hier quasi ein Piriformis-Shavasana.

So bleibt die Birne saftig

Und wie können wir nun dazu beitragen, dass der Piriformis glücklich, gut gedehnt und friedlich zum empfindlichen Nerv in der Nachbarschaft bleibt?

Natürlich ist YOGA 🙂  die Antwort! Alle stehenden Asanas sind hilfreich, besonders die Bewegungen der Padangusthasana Serie (auch im Liegen eine Wohltat!). Oder eine mit dem Sessel unterstützte Variantion von Astravkrasana aus der YOGA-Therapie, dann die Hocksequenz (Bumi Namaskar), supta Rajakapotasana (die liegende Taube), gedrehte Positionen wie Utthita/Parivritta Trikonasana (das gestrecktes/gedrehtes Dreieck) u.v.m.

Hilfe für faule Birnen

Kann es sein, dass dir während dem Lesen dieser kleinen Birnen-im-Körper-Darstellung die Birnen im Becken ein wenig mehr ins Bewusstsein (fast wollte ich schon schreiben in die Birne im Kopf) gerückt sind? Hast du das Gefühl, dass es dort oder woanders im Körper eine kleine Baustelle gibt, komm nächste Woche zu uns auf die YOGA Matte. Nicht nur dein Ischias Nerv wird es dir danken!

“If your body can do more and you do not do it, that is unethical practice. Ethical discipline of the asana is when you extend correctly, evenly and to the maximum. The brain is the hardest part of the body to adjust in asanas. If the brain is silent but attentive while performing asanas, your practice is nonviolent.”
@ B.K.S. Iyengar

 

 

 

 

 

 

 

 

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